Iftikhar, 24 Jahre, Afghanistan

Teil 1

Mein Name ist Iftikhar, ich bin 24 Jahre alt und gehöre zum afghanischen Volksstamm der Hazara. Geboren und aufgewachsen bin ich in Pakistan, in der Stadt Quetta. Viele Männer, Frauen und Kinder der Hazar sind in den letzten Jahren Opfer von Diskriminierung, Verfolgung und Gewalt geworden. Über 1.300 sind allein in meiner Heimatstadt getötet worden.

Meine Eltern haben schon immer viel Wert auf Bildung gelegt und so habe ich in Pakistan Computer Science studiert. Eines Tages kam ein Freund zu mir und sagte: „Du sprichst Englisch und kennst dich mit Computern aus. Geh nach Afghanistan und arbeite dort für die NATO als Übersetzer“. Die Aussicht, gutes Geld zu verdienen und mich für den Frieden in meinem Land einzusetzen haben mich nicht lange überlegen lassen. Ich habe meine Sachen gepackt und mich auf den Weg nach Afghanistan gemacht. Neun Monate habe ich dann für das US amerikanische Militär übersetzt und gedolmetscht. Mit meinem direkten Vorgesetzten, einem Colonel, verstand ich mich recht gut und die Arbeit hat mir trotz der Umstände mitten im Kriegsgebiet gefallen.

Wieder zurück in Pakistan bei meiner Familie war die Wiedersehensfreude natürlich riesen groß. Doch sie sollte nur kurz andauern. Es dauerte nicht lange, bis ich einen Brief der Tehrik-i-Taliban in den Händen hielt, einer pakistanischen Terrororganisation, die unter anderem auch den Islamischen Staat unterstützt. In dem Brief drohten sie mir an, mein Leben auszulöschen sollte ich ihnen in die Hände fallen. Ein Schock!

Erneut machte ich mich auf den Weg nach Afghanistan. Von dort aus versuchte ich, nach Amerika zu kommen. Meine Überlegung war, dass mein ehemaliger Vorgesetzter ein gutes Wort für mich einlegen könnte. Aber falsch gedacht. Der Colonel sagte mir, dass er leider nichts für mich tun könne und es für mich so gut wie unmöglich sei, in die Vereinigten Staaten zu gelangen. Resigniert reiste ich zurück nach Quetta.

Es ging einige Zeit ins Land und ich eröffnete einen eigenen Computerladen. Doch dann holte mich die Vergangenheit wieder ein. Bei einem Besuch in meinem Laden fand mein Vater den Drohbrief, den ich erhalten hatte und reagierte geschockt. Meine Familie beschloss, dass ich fliehen müsse, um mein Leben zu retten.

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