Moustafa, 25 Jahre, Syrien

Es schneit, als ich mich mit Moustafa und seinem Freund in einem Café in Passau treffe. Der Sommer in Deutschland sei viel zu kurz, berichten mir die Beiden. Dies ist nur eines von vielen Dingen, an die sie sich gewöhnen müssen. „Vieles ist ganz anders hier in Deutschland“, so Moustafa. Wir unterhalten uns über die Jahreszeiten, aber auch darüber, wie in Deutschland alles durchgeplant ist. In Syrien, so erzählen sie mir, gebe es nur einen Termin, das ist die Arbeit. Die Freizeit gestalte sich viel spontaner und man klopft auch mal unverhofft an die Tür eines Freundes. Eigentlich kann man sich in Deutschland hiervon eine Scheibe abschneiden, denke ich, als ich aus dem Fenster auf die hektischen Menschenmassen schaue, die bereits dem Geschenke-Wahnsinn verfallen sind.

Moustafa hat in Syrien einen Master in Architektur abgeschlossen. „Ich würde sehr gerne wieder in dem Bereich arbeiten.“ Dafür muss natürlich unter anderem sein Zertifikat in Deutschland angerechnet werden. In seiner Freizeit beschäftigt er sich auch gern kreativ – Mit Grafikdesign. Hier in Deutschland hat er bereits einen kleinen Auftrag erfüllt und das Logo von Info Asyl entworfen. Diese Seite informiert über Angebote für Geflüchtete in Passau. Zurzeit lernt Moustafa Deutsch und besucht unter der Woche deshalb jeden Tag einen Deutschkurs.

„In Syrien habe ich an den Wochenenden viel Zeit mit meiner Familie verbracht.“ Man merkt sichtlich wie ihm seine Familie fehlt. Er ist das Älteste von vier Kindern. Sein Bruder war noch zu jung für die Flucht und deshalb ist Moustafa ganz alleine über den Seeweg geflohen. „Unser Boot war so voll, wir waren 15 Tage auf dem Wasser und viele sind über Bord gegangen“, erzählt er mir. Sein Freund ist über die Türkei geflohen und vier Monate gelaufen, bis er in Passau angekommen ist. „Am liebsten würde ich natürlich zurück zu meiner Familie“, so Moustafa. Seine Hoffnung besteht darin, in Deutschland eine Arbeitsstelle zu finden und Geld für seine Familie und somit für diejenigen verdienen zu können, die entweder zu alt oder zu jung für eine Flucht sind. Aus dem Grund sucht er eine WG mit einem Deutschen, um die Sprachkenntnisse auch in seiner Freizeit schnell verbessern zu können. Also liebe LeserInnen, gerne melden, wenn ihr etwas wisst 🙂

Was die Beiden unbedingt betonen möchten: „Viele Deutsche haben die Vorstellung, dass wir in Syrien nichts hatten und jetzt nach Deutschland gekommen sind, um hier unseren Lebensstandard zu verbessern. Aber wir sind nur wegen dem Krieg geflohen, hatten ein Haus, besitzen Handys, so wie ihr.“

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