Monir und Ramin, Afghanistan

Monir und Ramin sind zwei aufgeschlossene, junge Männer, die sich in Passau kennengelernt haben, und seitdem verbindet sie eine enge Freundschaft. Beide kommen aus Afghanistan. Ich bin den jungen Männern im AsylCafé in Passau begegnet und habe mich gleich super mit ihnen verstanden. Beide sprechen sehr gut Deutsch und haben mir von sich erzählt.

Der 29-jährige Monir (links im Bild) ist vor 3 Jahren alleine nach Deutschland geflüchtet. Eigentlich ist er aber ein Familienmensch und betont: „Wenn in Afghanistan Frieden herrschen würde, wäre ich so gerne wieder zu Hause bei meiner Familie.“ Er fügt noch hinzu: „Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl, wir sagen auch Heimat ist wie deine Mutter.“ In diesem Moment bin ich kurz sprachlos gewesen – wie kann er so gut Deutsch sprechen, und woher nimmt er diese Sprüche und Lebensweisheiten. Monir hat mein Staunen wahrgenommen und zeigte mir auf seinem Handy eine Liste an deutschen Sprichwörtern, die er im Laufe der Zeit erstellt hat. Er lacht laut hinaus und liest vor: „Hunger ist der beste Koch.“ Monir kocht gerne und erzählt mir stolz, dass er bei der Veranstaltung „Iss mal anders“  für alle Teilnehmer Qabely gekocht habe. Qabely ist ein afghanisches Reisgericht mit Fleisch, Rosinen und Gemüse.

Monir bei der Veranstaltung "Iss mal anders"
Monir bei der Veranstaltung „Iss mal anders“

Doch außer fürs Kochen, begeistert er sich auch für die Mathematik. In seinem Heimatland hat er Mathematik für das Lehramt studiert und würde liebend gerne hier in Deutschland als Lehrer unterrichten. Jedoch ist dies sehr schwierig, und aus diesem Grund sucht er nach einem Ausbildungsplatz. Der 26-Jährige Ramin wirft lachend ein: „Du warst mein Lehrer!“ Monir und Ramin haben sich im Deutschkurs kennengelernt. Monir hat in Ramins Klasse den Lehrer in einer Unterrichtsstunde unterstützt, da diese Klasse aus sehr vielen Afghanen bestanden hat. „Er stand vor der Klasse und sagte zu uns, wir sollen die Chance wahrnehmen, Deutsch zu lernen!“, erinnert sich Ramin. Er selbst lebt seit etwa 2 Jahren in Passau und zusammen mit ihm sind seine Mutter, sein kleiner Bruder und seine Schwester nach Deutschland geflüchtet. Er findet Deutschland toll und möchte vor allem Bayerisch lernen, denn er fühlt sich in Passau sehr wohl und für ihn sei das eine Sache von Respekt, bayerisch sprechen zu können. Des Weiteren möchte er gerne Arbeit als Mechaniker in Deutschland finden, denn dazu ist er in Afghanistan ausgebildet worden. Falls dies nicht möglich ist, würde er auch gerne eine Ausbildung zum Heizungsmonteur beginnen.

Ramin erzählt mir mit funkelnden Augen von seiner Leidenschaft zum Volleyballspielen. In Fürstenzell hat er sogar den passenden Verein gefunden. Durch den wöchentlichen Teamsport kann er nicht nur seinem Hobby nachgehen, sondern lernt dabei auch Deutsch. So kann er nun am Passauer Bahnhof als Übersetzer bei der Ankunft von Flüchtlingen tätig werden. Auf meine Frage, was ihn hier in Deutschland glücklich mache, antwortet er mit einem Strahlen im Gesicht: „Wenn mein kleiner Bruder (15 Jahre) von einem Fußballspiel nach Hause kommt und stolz verkündet, dass er gewonnen hat! Das macht mich glücklich.“

Das gesamte Gespräch mit Ramin und Monir hat unglaublich viel Spaß gemacht, sie machen gerne Witze, lachen viel und sind sehr an der deutschen Kultur interessiert. Dies zeigte sich vor allem nach dem Café Asyl, als sie uns noch auf einen Glühwein begleitet haben. „Das ist mein erster Glühwein, aber Bier ist besser“, meint Ramin. Zum Schluss frage ich Monir, ob er denn noch irgendetwas erzählen möchte und erkläre ihm, was „schütte dein Herz aus“ bedeutet. Doch Monir entgegnet nur: „Schweigen ist sinnvoll, wenn die Augen sprechen.“ – Ja, auf Deutsch ! 😀

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