Arbeitsmarktintegration. Oder doch nicht?

– Warum in Wahrheit niemand weiß, ob Flüchtlinge in Deutschland Arbeit finden

Zahl der Hartz IV beziehenden Flüchtlinge stark gestiegen„– So lautet der Titel eines Artikels des Onlineauftritts der Zeitung „Die WELT“ vom 30. Oktober. Man kann nun darüber streiten, ob dieser suggestiv oder einfach nur mangelhaft recherchiert war, letztendlich ist er jedoch schlichtweg nicht richtig.

Der Grund dafür ist nicht nur, dass die allermeisten der ca. 800.000 neuen Flüchtlinge, die in diesem Jahr nach Deutschland gekommen sind, bisher ohnehin keinen Anspruch auf Hartz IV haben. Oder dass sich im gleichen Zeitraum ebenso die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Personen dieser Gruppe stark erhöht hat. Sondern vor allem liegt es daran, dass der Artikel sich auf einen Sonderbericht der Bundesagentur für Arbeit vom Oktober beruft, welcher ausdrücklich nicht im Stande war, zwischen Flüchtlingen und allen bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten „Personen aus Asylherkunftsländern“ – die teilweise auch schon sehr lange Zeit in Deutschland leben – zu differenzieren.

Denn inmitten all der aktuellen Experteneinschätzungen zu Arbeitsmarkintegration von Flüchtlingen und wirtschaftlichen Auswirkungen, drängt sich die erschreckende Erkenntnis auf, dass zurzeit niemand in Deutschland wirklich fundiert nachweisen kann, ob und inwiefern eine Arbeitsintegration von Flüchtlingen eigentlich stattfindet – ob die deutsche Wirtschaft imstande und vor allem auch bereit ist, sie aufzunehmen.

Weder das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), noch die Bundesagentur für Arbeit oder ihr Forschungsinstitut, das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, konnten bisher verwertbare Daten dazu sammeln und vorlegen. Ergebnisse zu entsprechend laufenden Forschungsprojekten wird es offenbar nicht vor Ende 2016 geben. Zuvor ist alles nur Hochrechnung, Spekulation und heiße Luft.

Die Hauptleidtragenden sind hierbei die Flüchtlinge. Menschen, wie sie auch HumanPosters vorstellt. Mitunter hochmotivierte Akademiker und Leistungsträger ihrer alten Heimat, die es eigentlich so sehr gewohnt waren, sich ihr Geld selbst zu verdienen, wie es ihnen nun unangenehm ist, sich nicht selbst finanzieren zu können. Doch ohne belastbares Datenmaterial können sie zunächst kaum mit gezielter, politischer Unterstützung beim Arbeitsmarktzugang rechnen. Wir können nur hoffen, dass die sehr ungünstig gewählte Überschrift der „WELT“ am Ende nicht doch noch wahr wird.

Gastbeitrag von Markus Niebel. 

Markus Niebel ist Student im Fachbereich Politik- und Verwaltungswissenschaften der Universität Konstanz und beschäftigt sich im Rahmen seiner Bachelorabschlussarbeit mit der Arbeitsintegration von Flüchtlingen. Wer sich genauer über das Thema informieren möchte, findet einen guten Überblick beim Mediendienst Integration.

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